Hans Joachim Reinke

Private Altersvorsorge lohnt sich

Unser Vorstandsvorsitzender, Hans Joachim Reinke, erklärt im Interview mit dem „Bayernkurier“, wie die Nullzinsphase die Volks- und Raiffeisenbanken unter Druck setzt und wie man richtig fürs Alter vorsorgt.

Angesichts der niedrigen Zinsen stellen sich die Menschen zunehmend die Frage, ob ihr Geld im Alter noch ausreicht. Wie sieht derzeit eine gute Altersvorsorge aus?

Das ist derzeit wahrlich eine berechtigte Frage, weil uns das achte Weltwunder abhandengekommen ist – der Zinseszinseffekt. In den vergangenen Jahrzehnten konnten Sie Ihr angelegtes Geld in zehn Jahren im Schnitt verdoppeln. Heute würde das angesichts der Zinssituation 131 Jahre dauern und damit in einer Lebenszeit nicht machbar sein. Deswegen machen aus unserer Sicht aktuell Lösungen Sinn, bei denen Sie Ihr Geld breit streuen – nämlich in Aktien, in Rentenpapiere und nach wie vor auch in Sparpläne. Sie brauchen eine richtige Mischung aus sicheren, festverzinslichen Anlagen und sollten gleichzeitig die Chancen auf dem Aktienmarkt nutzen.

In den vergangenen Jahrzehnten konnten Sie Ihr angelegtes Geld in zehn Jahren im Schnitt verdoppeln. Heute würde das angesichts der Zinssituation 131 Jahre dauern und damit in einer Lebenszeit nicht machbar sein.

Hans Joachim Reinke

CEO, Union Investment

Bleibt uns die Nullzinspolitik noch länger erhalten?

Ich denke, wir haben den Tiefpunkt durchschritten. Dennoch: Die Niedrigzinsen werden uns noch lange erhalten bleiben.

 

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern haben die Deutschen weniger Wohneigentum. Sollte die Politik Anreize setzen, dass sich die Menschen wieder leichter ein Eigenheim leisten können?

Eine Immobilie, die man besitzt und die man selber bewohnt, wird immer ein ganz wichtiger Teil der Altersvorsorge bleiben. Insofern ist es richtig, wenn die Politik weitere Anreize wie zum Beispiel durch das Baukindergeld setzt, dass sich auch junge Familien ein Eigenheim leisten können. Die Politik hat aber auch schon früher den Immobilienerwerb gefördert, zum Beispiel mit der Förderung des Riester-Bausparens oder der Eigenheimzulage. In Deutschland war es in den vergangenen Jahrzehnten einfach nicht so „in Mode“ wie bei einigen unserer europäischen Nachbarn, Wohneigentum zu erwerben. In Deutschland hat man das Geld eher vielfach in festverzinslichen Wertpapieren oder auf dem Sparkonto angelegt.

Zusätzliche private Altersvorsorge lohnt sich! Und das müssen wir den Bürgern noch stärker zeigen. Wir, als Unternehmen und auch die Politik, müssen noch mehr aufklären und über die Vorteile der privaten Altersvorsorge sprechen.

Hans Joachim Reinke

CEO, Union Investment

Auffällig ist zudem, dass die Deutschen auch beim Thema private Altersvorsorge recht zurückhaltend sind. Warum?

Sicherlich ist die private Säule der Altersvorsorge noch ausbaufähig und muss weiter gestärkt werden. Gerade wenn Sie sich aber das konkrete Beispiel der Riester-Rente anschauen, dann ist festzustellen, dass bereits jetzt etwa die Hälfte der 33 Millionen Förderungsberechtigten Deutschen diese Möglichkeit nutzt. Sicherlich kann man jetzt die Frage stellen, warum sich die andere Hälfte diese Förderung durch die Lappen gehen lässt. Denn zusätzliche private Altersvorsorge lohnt sich! Und das müssen wir den Bürgern noch stärker zeigen. Wir, als Unternehmen und auch die Politik, müssen noch mehr aufklären und über die Vorteile der Riester-Rente und der privaten Altersvorsorge sprechen. Schaut man sich unsere Riester-Kunden der ersten Stunde an, die beispielsweise in 20 Jahren in die Auszahlphase gehen, so hatten diese jedes Jahr eine durchschnittliche Rendite von 8,3 Prozent – ohne Zulage und nach Kosten. Wenn ich die Zulage noch mit dazunehme, dann erzielt ein Single 9,5 Prozent und eine Familie ganze 15 Prozent Rendite per anno. Das kann sich wirklich sehen lassen – und dürfte auch ein Grund sein, warum wir bereits heute mit über 1,8 Millionen Kunden Marktführer im Bereich der Riester-Rente sind und sich jährlich 50.000 bis 60.000 Kunden neu dazu entscheiden, mit Union Investment zu riestern. Außerdem riestert auch hauptsächlich die richtige Bevölkerungsgruppe, für die die Riester-Rente eingeführt wurde: Fast 80 Prozent unserer Riester-Kunden haben ein zu versteuerndes Einkommen unter 40.000 Euro und kommen damit aus der Mitte der Gesellschaft.

Riester Wertentwicklung

Aus Sicht Ihres Unternehmens, aus Sicht der Genossenschaftsbanken: Was bedeutet die Nullzinsphase für Sie?

Drei Viertel des Betriebsergebnisses einer Volks- und Raiffeisenbank oder einer Sparkasse kommen aus dem Zinsertrag. Deswegen kommt dieses Geschäftsmodell natürlich unter Druck, und Banken müssen sich zunehmend die Frage stellen, wie man dem begegnen kann. Ein Ansatzpunkt sind Kostensenkungen durch Fusionen. Die einzig tragfähige Zukunftsidee ist aber die des profitablen Wachstums. Das heißt, man muss sich auf diejenigen Geschäftsfelder fokussieren, in denen man wachsen kann.

 

Eine Volks- und Raiffeisenbank oder eine Sparkasse war früher an jedem Ort vertreten, war der Finanzpartner für die Menschen und den Mittelstand in der Region. Nun stehen zahlreiche Filialschließungen an …

Die Zahl von heute 420 Sparkassen und 972 Genossenschaftsbanken wird in den nächsten fünf Jahren vermutlich noch weiter sinken. Dies heißt aber nicht, dass sich Genossenschaftsbanken breitflächig auf dem Land zurückziehen und nur in den Städten vertreten sein werden. Gerade im Bereich der Beratung ist es wichtig, den Kontakt zum Kunden vor Ort zu pflegen und sogar auszubauen. Das ist gerade unser regionaler Ankerpunkt und ein Gebiet, auf dem Genossenschaftsbanken sogar noch wachsen können.

 

Die Digitalisierung verändert auch die Bankenwelt. Werden Bankgeschäfte in Zukunft nur noch online zu erledigen sein oder wird es die Filiale mit persönlicher Beratung noch geben?

Ja, die wird es ganz klar noch geben. Die Anzahl der Filialen wird wie gesagt zwar weniger werden, aber die Filiale vor Ort mit persönlicher Beratung wird weiterhin der zentrale Anlaufpunkt für Kundenkontakt und Beratung bleiben. Der Onlinetrend hat sich sogar schon wieder leicht gedreht – große Bankhäuser, die zuletzt verstärkt auf Online- oder Telefonbanking gesetzt hatten, entdecken die Vorteile einer Filiale gerade wieder neu.